Erneuerbare Energien in Flensburg

Stromerzeugung und -verbrauch

Quelle: EKSH – „Energieforschung in Schleswig-Holstein“ S.23

Wie aus den Grafiken ersichtlich wird, liegt der Anteil fossiler Energien in der Stromerzeugung in Flensburg über 85 Prozent, während im Umland ein Überangebot an erneuerbarem Strom existiert. Die Küstenstadt ist quasi eine Insel der fossilen Energien in einem Meer von erneuerbaren und mit diesem Wert sogar das traurige Schlusslicht Schleswig-Holsteins.

Das greenco2ncept-Ziel

Die Stadtwerke Flensburg haben sich bereits 2007 das Ziel gesetzt, bis 2050 CO2-neutral zu werden. Dabei stellen sie auch ihren eigenen Präsentationen zum Thema immer voran, dass es nicht reiche, irgendwann vor 2050 die Emissionen abrupt auf Null sinken zu lassen (Ziel 1), sondern diese auch bis dahin begrenzt werden müssen (sprich: einem Zielpfad folgen; Ziel 2). Es wird sich also an einem CO2-Budget orientiert, wie es die Klimawissenschaft auch tut.

Seit 2007 sind die jährlichen Emissionen im Schnitt um 100.000 Tonnen gesunken. Sie liegt dennoch in den meisten Jahren deutlich über dem greenco2ncept-Zielpfad, wodurch bis zum heutigen Tag bereits über 800.000 Tonnen zuviel CO2 emittiert wurden – was etwa dem Budget der Jahre 2041 bis 2050 entspricht. So wird es mit fortschreitender Zeit immer unwahrscheinlicher, das greenco2ncept-Ziel noch einzuhalten, wie aus dem nächsten Diagramm ersichtlich wird.

Emissionen mit Kessel 13

Nach der Inbetriebnahme des GuD-Kessel 12 (Leistung 75 MWₑₗ + 75 MWₜₕ) am 21.04.2016 wurden die beiden kohlebefeuerten Kessel 7 & 8 (zusammen 64 MWₑₗ + 125 MWₜₕ) stillgelegt. Die CO2-Emissionen sanken zwischen 2015 und 2017 um etwa 70.000 Tonnen.

Nach der für 2022 geplanten Inbetriebnahme von Kessel 13 (Leistung 89 MWₑₗ + 97 MWₜₕ) ist die Stilllegung der Kessel 9 & 10 (zusammen 69 MWₑₗ + 124 MWₜₕ) geplant. Dadurch sollen »jährlich bis zu 120.000 Tonnen CO2« eingespart werden – unter dieser Annahme würde sich bis zum Jahr 2030 folgendes Bild ergeben:

2007

Es zeigt sich, dass das greenco2ncept-Budget bei dieser Planung im Jahr 2030 nur noch bis Ende 2035 reichen wird. Um das Budget noch einzuhalten, müssten die Emissionen dann abrupt von mehreren Hunderttausend Tonnen auf Null sinken.

Klimaschädlichkeit von Erdgas

Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und – über den Zeitraum von 100 Jahren betrachtet – ein 28 bis 33 mal stärkeres Treibhausgas als CO2. Über einen Zeitraum von 20 Jahren betrachtet ist es laut IPCC sogar 84 mal potenter als CO2.
Bei Abbau, Transport und Lagerung entweichen laut Aussage der IEA 1,7 % der weltweit geförderten Erdgasmenge in die Atmosphäre – der so genannte „Methanschlupf“. Diverse Studien kommen auf deutlich höhere Werte – besonders wenn das Erdgas per Fracking gewonnen wurde: dabei wird von einem Methanschlupf bis zu 5,8 % ausgegangen.
So steigt mit zunehmendem Einsatz von importiertem Erdgas der Effekt auf den Klimawandel, wie in der folgenden Grafik in CO2-Äquivalenten umgerechnet dargestellt1:

Wirtschaftliche Belastung durch CO2-Emissionen

Im EU Emissions Trading System (ETS) ist vorgeschrieben, dass Verursacher von CO2-Emissionen pro Tonne ein Zertifikat besitzen müssen (manchmal auch „European Union Allowance“, kurz: EUA genannt). Eine bestimmte, seit 2013 jährlich sinkende Menge dieser Emissionsrechte wird gratis vergeben (in der folgenden Grafik grün dargestellt). Der Rest (rot) muss erworben werden, bevor die Emissionen entstehen. Der Preis für EUAs hat sich seit Anfang 2018 mehr als verdreifacht:

Wie weiter oben erläutert, wird der CO2-Ausstoß auch langfristig jenseits von 400.000 Tonnen liegen. Bei einem Emissionsrechtepreis ab 50 € – den fast alle Marktbeobachter*innen früher oder später erwarten – würde das zu Mehrkosten von 10 Mio € für die Stadtwerke Flensburg führen (im Vergleich zu dem momentanen Durchschnittspreis von 25 €). Um das in Relation zu setzen: Der gesamte Jahresüberschuss der GmbH lag 2018 bei weniger als 8 Mio €. Eine weitere Finanzierung des kommunalen Haushalts über die jährliche Gewinnabführung wäre ab diesem Zeitpunkt gefährdet, wenn nicht sogar unwahrscheinlich. Zudem müsste das Unternehmen seine Preise erhöhen, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen.

  1. Annahmen Methanberechnung

    Erdgasanteil SWFL: 80 % ab 2023, davor 30 %, für 2016 20%
    Methangehalt: 90%
    Emissionsfaktoren Erdgas: 0,202 CO2/kWh | 2 kg CO2/m³ | 0,671 kg = 1 m³
    CO2-Äquivalente: Bezugszeitraum 100 Jahre: Faktor 30
    Bezugszeitraum 20 Jahre: Faktor 84